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PREISE & AUSZEICHNUNGEN

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Laudatio INTHEGA 2026 // Stephan Czuratis

Die Geschichte scheint zunächst einfach. Eine Frau kehrt als unermesslich reiche Milliardärin in ihre verarmte Heimatstadt zurück. Sie bietet Wohlstand für alle gegen den Preis eines Menschenlebens.

 

Doch hinter dieser ebenso schlichten wie ungeheuerlichen Ausgangssituation entfaltet sich ein zeitloses Drama über Moral, Verantwortung und die Frage, was unsere Überzeugungen tatsächlich wert sind, wenn sie mit persönlichem Vorteil kollidieren. Diese Fragen auf die Bühne zu bringen, verlangt weit mehr als handwerkliches Können. Es braucht eine klare künstlerische Haltung, ein starkes Ensemble, ein innovatives Team aus Kreativen und den Mut, den Humor Dürrenmatts ebenso ernst zu nehmen wie seine Abgründe.

 

Genau das ist dem Ensemble Persona in Kooperation mit dem Stadttheater Schaffhausen eindrucksvoll gelungen.

Die Inszenierung verbindet Präzision, Spielfreude und Tiefe zu einem Theaterabend, der nachwirkt, weit über den Schlussapplaus hinaus.

 

Für mich persönlich ist die Auszeichnung eine Bestätigung dessen, was viele Veranstalter und Zuschauer auch in meinem Haus seit ein paar Jahren erleben dürfen. Produktionen von Ensemble Persona stehen für höchste Qualität. Ich erinnere mich noch sehr gern an „In 80 Tagen um die Welt“ und an „Moby Dick“. Zwei Inszenierungen, die auch unser Publikum wirklich nachhaltig begeistert haben.

 

Bemerkenswert ist darüber hinaus die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Schaffhausen. Sie zeigt, wie gewinnbringend internationale Kooperationen im deutschsprachigen Raum sein kann. Die Mitglieder würdigen mit ihrer Abstimmung eine Inszenierung, die einen großen Klassiker nicht museal bewahrt, sondern ihn mit Klarheit, Wucht und beeindruckender Aktualität auf die Bühne bringt.

 

Herzlichen Glückwunsch an das Ensemble Persona in Kooperation mit dem Stadttheater Schaffhausen und Regisseur Tobias Maehler zum zweiten Preis des INTHEGA-Preises „Die Neuberin“ 2026.

Stephan Czuratis, 29.06.2026

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Laudatio INTHEGA 2025 // Barbara Schulte-Rief

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Theaterbegeisterte, werte Crew der künstlerischen Hochseeschifffahrt, ich freue mich riesig, Ihnen mitzuteilen, dass den zweiten Platz des INTHEGA-Preises DIE NEUBERIN die wundervolle Inszenierung von "Moby Dick" des ENSEMBLE PERSONA abgeräumt hat. Das ist fast so beeindruckend wie der Kampf zwischen Captain Ahab und dem weißen Wal - nur dass hier eure Abstimmung gewonnen hat! (...)

Moby Dick - das ist kein Theaterstoff, den man mal eben schnell zwischen zwei Proben von "Dinner for One" und "Faust light" einschiebt.
Das ist ein Monolith von einem Text. Über 900 Seiten voller Wahnsinn, Wale, Weltfragen. Ein Roman, bei dem so mancher im Vorfeld die Segel streicht. Nicht so das ENSEMBLE PERSONA unter der Leitung von Tobias Maehler!

Ihr habt es gewagt. Ihr habt Ahab auf die Bühne gebracht - mit Wucht, mit Poesie, mit Humor und Verzweiflung. Und dabei habt ihr nicht nur Melville verstanden - ihr habt ihn neu hörbar gemacht. Für uns. Für heute. 

Herman Melvilles Roman ist ein 1851 in London und New York erschienenes mythisches Werk über Größenwahn, Freiheit und Naturgewalt - ein Text, der in seiner Neuartigkeit schwer zu zähmen ist und dessen Besprechungen seinerzeit wirklich negativ ausfielen. Ihr habt euch dieser Herausforderung mit bewundernswerter künstlerischer Reife, tiefer Textkenntnis und einer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz samt großartigem Bühnenbild gestellt. Was hier auf die Bühne gebracht wurde, ist keine bloße Adaption - es ist eine Durchdringung des Stoffs.

 

Die Geschichte vom fanatischen Kapitän Ahab und seinem aussichtslosen Rachefeldzug gegen den weißen Pottwal wird in eurem Spiel zu einem poetischen Kraftakt, der Kopf, Herz und Sinne zugleich fordert.

Dass dieses Ensemble das kann, überrascht allerdings niemanden mehr, der eure Seefahrt kennt. 2015 hervorgegangen aus jenen seit 2008 jährlich veranstalteten creActor "Intensivseminaren" für hochbegabte junge Schauspieler\*innen, deren Aufführungen unter anderem in Kooperation mit C. Bernd Sucher und Peter Stein entstanden. Die Ursprünge sind bis heute spürbar in der Disziplin, mit der hier gearbeitet wird, in der Tiefe der Rollenarbeit, in der intelligenten Interpretation klassischer Stoffe. (...)

Bei aller Brillanz ist das ENSEMBLE PERSONA kein Elfenbeinturm. Es ist ein Arbeitsensemble im besten Sinne des Wortes: gemeinschaftlich ressourcenübergreifend, mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung - auch hinter den Kulissen. Künstler*innen engagieren sich hier nicht nur auf der Bühne, sondern auch im organisatorischen Rückgrat des Ensembles. Es ist dieses Zusammenspiel von Idealismus und Professionalität, samt einer unbändigen Energie, die das ENSEMBLE PERSONA besonders macht. Seit 2023 arbeitet ihr an der Idee der Ensembleallianz, die zukunftsweisend ist.

Das Team und die Besetzung! Großartig im Spiel: Peter Kempkes, Nick-Robin Dietrich, Anna März, Sophia Lahme, Luca Schmitz. Für die Musik Ondrej Zadak. Vera Drazic, Ratko Pavlovic und Jovan Tomic - ihr habt mit eurer Hingabe die Geschichte so lebendig gemacht, dass man fast vergisst, dass ihr auf der Bühne steht und nicht tatsächlich auf einem Schiff unterwegs seid. Das kreative Team: Tobias Maehler (Regie), Yannick Zürcher (Dramaturgie), Sarah Silbermann (Kostüm), Sandra Maehler (Produktionsleitung), Monika Steinwidder (Produktionsassistenz), Nikolai Kuchin (Bühnenbild), Christian Kern (Bühnenbau), Max Bauer (Sound) - ihr habt eine Inszenierung geschaffen, die uns noch lange in Erinnerung bleibt.

Seit MEDEA, ROMEO & JULIA, ANTIGONE und DON JUAN, über EIN SOMMERNACHTSTRAUM, DER GOTT DES GEMETZELS, IN 80 TAGEN UM DIE WELT (übrigens ebenfalls nominiert), PEER GYNT bis zu MOBY DICK habt ihr eine beeindruckende Bandbreite gezeigt - nie aus Effekthascherei, sondern aus einer echten Auseinandersetzung mit Sprache, Stoff und Zeit. Und mit DER BESUCH DER ALTEN DAME steht nun bereits die nächste große Produktion in Kooperation mit dem STADTTHEATER SCHAFFHAUSEN in den Startlöchern. Deshalb feiern wir heute nicht nur ein kraftvolles Stück, sondern ein Ensemble, das zeigt, was Theater sein kann: wild, wach, widerspenstig. Und dabei oft auch wunderschön, poetisch und mutig, immer in sprachlicher Glanzleistung - wir lieben Sprache, ihr haltet Wort.

Ihr habt den Wal nicht nur gejagt - ihr habt ihn zum Sprechen gebracht. Und uns zum Staunen. Herzlichen Glückwunsch!

Barbara Schulte-Rief, 30.06.2025

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